In allen Budokünsten, so auch im Karate-Do, gelten die sogenannten Dojokun-Regeln als Herz der Budo-Ethik.
Die fünf Dojokun-Regeln lauten in der gängigen deutschen Übersetzung:
• Strebe nach Vollendung der Persönlichkeit
• Bewahre den Geist der Wahrhaftigkeit
• Pflege den Geist des Strebens
• Ehre die Prinzipien der Etikette
• Verzichte auf Gewalt
Neben den Dojokun-Regeln gelten die zwanzig Karate-Regeln Funakoshis als zweite Säule der Karate-Ethik.
Darin formuliert er, neben vielen Hinweisen für das praktische Üben, viele mentale und spirituelle Orientierungshilfen.
Eine Regel vielleicht exemplarisch erläutert. „Erkenne dich selbst zuerst, dann den Anderen.“ ist ein Satz , den man unterschiedlich tief ausloten kann.
Vordergründig wendet er sich gegen die allgemeine Tendenz, seine eigene Meinung als Maßstab zur Beurteilung Anderer anzusehen.
Der Kampkunstübende muss erst durch einen Reifungsprozess die Fähigkeit erwerben, die Wahrheit in sich selbst zu finden.
Darin steckt auch tiefere Anspruch des Zen, zur Schau des eigenen Selbst vorzudringen.
Der Kampfkunstschüler muss – wie der Zen-Schüler – den fixierten Geist des Spezialistentums öffnen und weiten, um um weitere Sinnzusammenhänge zu verstehen, sich selbst nicht zu überschätzen und Andere gerecht anzunehmen.
Eine solche Geisteshaltung kämpft nicht mehr um Anerkennung, sondern handelt und beweist sich selbst.
Egoistische Menschen haben immer die Tendenz, fremde Werte zu übersehen und Fehler überzubewerten. (W. Brockers)
Zen hat seit Jahrhunderten die Kampfkünste in Japan geprägt. Es geht dabei nicht um Theorie, sondern um unmittelbare Erfahrung:
das Loslassen unnötiger Gedanken, das Üben von Präsenz im Augenblick, die Einheit von Körper und Geist.
Im Karate-Do finden wir genau dies wieder. Ob in der Stille vor einer Kata, im Rhythmus der Atmung oder in respektvollen Haltung im Dojo – Zen lebt in unserer Kampfkunst.
...Karate ist mehr als Technik und Sport. Es ist ein Lebensweg, der uns lehrt, Ziele zu setzen und sie mit Beharrlichkeit zu verfolgen, offen für Neues zu bleiben und dabei die alten Werte zu bewahren. (B. Milner)